„Heimatpfleger sind Sie alle“

Forum Baukultur und Landkreis beleuchten „hausgemachtes Bauen“ – Fibel und Beirat sollen helfen

Wolnzach (WZ) Mit einem Gestaltungsbeirat aus Kommunalpolitikern und Architekten will Landrat Martin Wolf für bessere Architektur sorgen. Das ist ein Ergebnis einer Veranstaltung des Landkreises Pfaffenhofen und des Forums Baukultur, die ins Hopfenmuseum in Wolnzach geladen hatten. 110 Gäste waren gekommen, um sich zum Thema „Hausgemacht – Wege zum regionalen Bauen“ zu informieren.

Landrat Martin Wolf eröffnete mit einem Zitat eines nicht genannten Bürgermeisters; dessen Motto sei gewesen: „Jeder baut nur einmal, da soll er doch bauen, wie er mag“. Wolf ließ erkennen, dass er davon nicht viel hält: Regeln müsse es schon geben, da war er sich mit allen Rednern des Abends einig. Aber welche sollen das sein?

Heinz Kindhammer, Vorsitzender des Forums Baukultur, relativierte den Titel der Veranstaltung: Rechtlich sei „hausgemacht“ nirgendwo definiert, doch wenigstens in der Architektur brauche es Regeln, denn „auch privates Bauen ist eine gesellschaftliche Angelegenheit“. Und da gebe es viel zu sehen, was dem Auge wehtut, findet Franz Grahammer, Architekt und Kreisheimatpfleger. In den vergangenen zehn bis zwanzig Jahren sei eine Regellosigkeit eingerissen: Wo ehedem die landschaftstypischen Satteldächer aus roten Ziegeln dominierten, gebe es jetzt immer mehr Durcheinander mit schwarzen Dächern, Flachdächern und Walmdächern auf Toskanahäusern. Statt an Hängen die Topographie zu respektieren, würde der Boden hinten abgebaggert und vorne aufgeschüttet. „Wer war zuerst da? Die Topographie oder der Bauherr?“, fragt Grahammer. Die Staatsregierung habe das private Bauen dereguliert und damit die Kreisbaubehörden entmachtet. Deshalb existierten weniger Kreisbaumeister, die beratend eingreifen könnten. Und so beugten sich Bürgermeister und Gemeinderäte allzu den Wünschen der Bauherren. „Muss man den Wähler fürchten?“, fragte Grahammer, „Oder kann man ihn überzeugen?“ Für Norbert Göttler, Bezirksheimatpfleger für Oberbayern, Schriftsteller und Regisseur, ist Baukultur Bestandteil jeder Heimatpflege. „Es muss möglich sein, Alt und Neu zu verbinden.“ Staatliche Zuschüsse könnten bisweilen mehr bewirken als Ge- und Verbote. Im Übrigen seien nicht nur Architekten und Behörden gefragt: „Heimatpfleger sind Sie alle“, so Göttler. Über Geschmack solle man reden, da sei so ein Abend ermutigend: „So eine Veranstaltung habe ich in Oberbayern noch nie erlebt!“

Vinzenz Dufter vom Bayerischen Landesverein für Heimatpflege macht sich Sorgen, dass Dörfer veröden und plädierte deshalb für „Innenentwicklung vor Außenentwicklung“: Statt Baugebiete am Ortsrand auszuweisen, sollten sich die Kommunen bemühen, Grundstücke im Ortskern, wo möglich, aufzukaufen, um dort die Entwicklung zu beeinflussen. Wie man die Dörfer beleben kann, das zeigte Michael Deppisch, Architekt aus Freising, anhand von Beispielen für sanierte Bauernhäuser. Innovative Baustoffe eröffneten hier neue Möglichkeiten, und Sanierung sei bisweilen billiger als Abriss und Neubau. Probleme mit Schallschutz und Brandschutz seien lösbar, aber es brauche den Willen der Bauherren.

Viel Stoff somit für die Podiumsdiskussionen. Moderatorin Susanne Pfaller vom Bayerischen Rundfunk wollte wissen, warum es den Gemeinden so schwerfällt, eine halbwegs einheitliche Architektur durchzusetzen. Martin Schmid, Bürgermeister von Vohburg, beklagte die Flut an staatlichen Vorschriften und lange Genehmigungsfristen. „Wir haben die Hoheiten, aber die Bürokratie macht uns kaputt“, so Schmid.

Hat das Landratsamt vielleicht zu wenig Personal, wollte die Moderatorin vom Landrat wissen. Das sei keineswegs der Fall, so Landrat Martin Wolf. Letztlich ließ er sich überzeugen, dass der Landkreis einen Gestaltungsbeirat braucht und dazu eine Gestaltungsfibel. Das soll nun unter Einbeziehung des Forums Baukultur entstehen Die Fibel soll „einfache Rezepte liefern, die bei jedem gelten müssen“, so der Landrat.

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