Der Bauherrenpreis 2013 des FORUM BAUKULTUR im Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm ist entschieden.

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Datum/Zeit
Date(s) - 08/11/2013
Ganztägig


Das Preisgericht hat Freitag, den 08. November 2013, die 22 eingegangenen Bewerbungen beurteilt und größtenteils besichtigt.
Das Preisgericht bestand aus
Markus Mayer, Dipl.-Ing. Architekt BDA, München
Eberhard Steinert, Dipl.-Ing. Architekt BDA, Garmisch-Partenkirchen
Wolf-Eckart Lüps, Architekt BDA, Utting
Thomas Eckert, Dipl.-Ing. Architekt BDA, Regensburg
Albert Diemer, Metallbau Diemer GmbH, Hettenshausen, Mitglied im FORUM BAUKULTUR

Diese unabhängige Fachjury hat heuer zwei Bauherrenpreise vergeben:

Ein Preis für
die Kindertagesstätten im Altenfeld und im Lindenkreuz in Manching,
Bauherr Marktgemeinde Manching.
 Für die Bauaufgabe Kindertagesstätte wird das gleiche einfach strukturierte Bauprinzip mit hoher innenräumlicher Qualität entwickelt. Das Prinzip ist stark genug, beiden Standorten städtebaulich gerecht zu werden. Die innere Atmosphäre, die den Besucher beim Betreten der Einrichtungen umfängt, ist bedingt durch die rhythmischen Raumfolgen, Farbgebung und Lichtführung. Erzieher und Kinder vermitteln ihre Freude in solchen Häusern arbeiten und spielen zu dürfen.
Das pädagogische Prinzip, dass verschiedene Altersgruppen im offenen Gruppensystem sich frei bewegen dürfen und dass auch Flure als Spielzonen nutzbar werden und Galerien die Nutzfläche erweitern, beweist wohltuend den kreativen Umgang mit Förderrichtlinien von Bauherrn und Architekten.

Ein Preis für
das Haus Pichler in Hohenwart,
 Bauherr Michael Aurel Pichler.
Inmitten der unaufgeregten Bebauung des Dorfes „Hohenwart“ beansprucht das Haus Pichler eine Sonderstellung. Ganz unprätentiös besetzt der klar geschnittene 2-geschossige Kubus ein Wiesengrundstück und positioniert das Gebäude spannungsvoll unter Berücksichtigung außenräumlicher Beziehungen zur Umgebung und schließt damit eine städtebauliche Leerstelle. Das Gebäude braucht keine üblichen vermeintlich notwendigen Außenanlagen, wie Befestigungen für Zuwegungen, Umzäunungen, Blumenrabatten und sonstigen Accessoires, die üblicherweise eine Vorgartenidylle ausmachen.
Die hohe gedankliche Auseinandersetzung des Bauherrn und Architekten in einer Person führt zu einer präzisen Raumskulptur. Mit wenigen Materialen (Beton, Glas, Holz, Textil) werden anspruchsvolle, individuelle Räume entwickelt.
Für den Bauherrnpreis des Landkreises Pfaffenhofen ist dieser Beitrag von herausragender Qualtität.

Pfaffenhofener Kurier, Sonntag, 27. April 2014:

„Der Architekt und sein eigenes Haus“ 

Pfaffenhofen (PK) Mit seinem Erstlingswerk, seinem eigenen Haus in Hohenwart, hat der 33-jährige Michael Aurel Pichler den Bauherrenpreis des Forums Baukultur gewonnen. Bei den öffentlichen Bauten setzte sich der Markt Manching durch: mit zwei Kindergärten, die Stefan Mayerhofer plante.
Es war schon etwas Besonderes, das sich da im ehemaligen Café Herb in Pfaffenhofen bei der Preisverleihung abspielte. Ein angehender Architekt baute sein eigenes Haus, noch während seines Studiums, das er erst im vergangenen Jahr abschloss – und erntet dafür nun eine begehrte Auszeichnung. „Mein erstes Haus, meine erste Teilnahme – und gleich mein erster Preis“, sagte Michael Aurel Pichler nach der Bekanntgabe, dass sein extravagantes Wohnhaus, das vor drei Jahren vollendet wurde, von der Jury eindeutig als Siegerobjekt ausgewählt wurde. „Sowohl bei den privaten Bauherren als auch bei öffentlichen Bauten gab es keine kontroverse Diskussion innerhalb der Jury“, sagte der Forums-Vorsitzende Sebastian Gerlsbeck. „Die Entscheidungen waren alle eindeutig.“ 

Die Überraschung über Pichlers Sieg hielt sich in Grenzen. Und sie wird verständlich, wenn der 33-Jährige erzählt. „Es floss schon so einiges aus dem Studium in das Konzept ein“, sagte er bei der Präsentation. Pichler habe mit vier Baustoffen gearbeitet. Neben Beton, Glas und Stoff sei ihm besonders Holz am Herzen gelegen: „Schwarzerle habe ich benutzt – für alle Möbel. Die Betten, die Küche, die Schränke, die Regale – alles ist aus Vollholz.“ Auch sonst biete sein Haus viel Besonderes. So seien fast drei Viertel der Fenster nicht zu öffnen. Sie schließen mit der Außenfassade ab. Die verbleibenden Fenster fluchten mit der Innenseite der Außenwand: „Durch diese Gestaltung habe ich spannungsgeladene Facetten erreicht, ebenso wie die Übergänge vom Sichtbeton zum Holz“, führt er aus. Auf Innentüren habe er bei der dreijährigen Planung weitgehend ganz bewusst verzichtet – von wenigen Ausnahmen einmal abgesehen. Das Haus hat eine kubische Form, alle Außenmaße sind sieben Meter lang. Innen hat das Haus eine Wohnfläche von 78 Quadratmeter. „Durch den Verzicht auf die Türen gehen die Räume ineinander über – das Haus gewinnt durch diese Lösung an Weite“, sagt der Bauherr. 

In der Sparte „Öffentliche Bauten“ siegte die Marktgemeinde Manching mit zwei Kindergärten, die vom 44-jährigen Architekten Stefan Mayerhofer aus München geplant wurden. Von seinen nahezu baugleichen Kindergärten im Altenfeld und im Lindenkreuz, die zwei Kilometer auseinanderliegen, waren die Fachleute am meisten überzeugt. Gelobt wurde das einfach strukturierte Bauprinzip, das stark genug sei, beiden Standorten städtebaulich gerecht zu werden. 

Die Jury hob besonders die innere Atmosphäre, bedingt durch die rhythmischen Raumfolgen sowie Farbgebung und Lichtführung hervor. Auch die Raumnutzung hebe sich ab, denn sowohl die Flure als auch die Galerien seien als Spielzonen nutzbar. Die Jury fand, dass diese Lösung den kreativen Umgang mit den Förderrichtlinien wohltuend beweise. Manchings Bürgermeister Herbert Nerb (FW) lobte besonders „die innere Atmosphäre, die den Besucher beim Betreten der Kindergärten umfängt“. 

Insgesamt wurden 22 Projekte, vom Einfamilienhaus über Ladenbauten bis hin zu einer Urnenwand, für den Bauherrenpreis eingereicht. Ein Preisgericht aus einem Vertreter des Forums und vier externen Fachleuten begutachtete auf einer Rundfahrt die Vorschläge.

Von Manfred Eibisch